
Der helle Abendstern lässt sich am bunten Abendhimmel als erstes sehen und zieht alle Blicke auf sich. Wenn nach einem sonnigen Wintertag am späten Nachmittag die Dämmerung hereinbricht, erscheinen nach und nach die Sterne, die eigentlich schon immer da waren: der kleine Bär mit dem Polarstern an der Achse, Kassiopeia, das markante W des Himmels oder zur Winterzeit das gut erkennbare Sternenbild Orion mit den Umrissen eines gegürtelten Himmelsjägers. Die Sterne helfen bei der Orientierung auf dem Weg um die Welt oder einfach zum Träumen bei einem Blick in den hohen Himmel. Ein Gefühl von Unendlichkeit spüren wir unter dem Firmament. Unvorstellbar sind die Dimensionen von Lichtjahren, die uns entgegen leuchten.
„Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, … was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst.“ (Psalm 8, 4a.5a)
Die Sehnsucht versucht im Himmel den Ort zu finden, an dem unsere Lieben hin entschwunden sind. Das Fragen des Menschen entdeckt in der wunderbaren Welt Hinweise auf ihn, den Schöpfer von Himmel und Erde. Fühle ich mich unter dem Sternenhimmel Gott näher als an anderen Orten?
Menschen haben immer wieder versucht aus der Betrachtung der Sterne die Zukunft abzulesen. So machten sich drei Magier im Osten auf und folgten einem besonderen Stern. Sie suchten den neuen König im Land Judäa. Einigermaßen rätselhaft ist diese Episode der Weihnachtserzählung. Nur aus der Anzahl der Geschenke ergibt sich die Zahl drei. Dass es sich um Könige handelt, ist nicht gesagt. Das griechische Wort (magoi) meint eher Sternendeuter oder Weise. Und auch ihre Namen Caspar, Melchior und Balthasar sind zu einem späteren, nachbiblischen Zeitpunkt entstanden. Und der Stern?
Die Vermutung, dass es sich um einen Kometen gehandelt habe, der mit einem Schweif über den Himmel zieht, ist unwahrscheinlich. Kometen galten in der Antike als Unglücksboten. Warum sollte also gerade ein Komet eine gute Botschaft bringen? Am häufigsten ist die These zu finden, dass es sich um eine seltene Begegnung zweier Planeten gehandelt habe. Im Jahr 7. v. Chr. standen Jupiter und Saturn nah beieinander. Westlich im Sternbild der Fische war dieser helle Schein zu sehen. Er muss alle Blicke auf sich gezogen haben. Dreimal im Abstand von Monaten trafen sich die Planeten in diesem Jahr. So erscheint es durchaus vorstellbar, dass Menschen aus dem Osten diesem Licht gefolgt sind. Schon der Astronom Johannes Kepler hatte diese These formuliert und berechnet, als er im Jahr 1603 eine erneute Begegnung der Planeten beobachtet hatte. Auf der symbolischen Ebene galt Jupiter als König unter den Planeten. Der Saturn war womöglich ein Zeichen für Israel. Für einen Magier war die Interpretation klar: Ein König wird in Israel geboren. Und wer die prophetische Verheißung des Bileam dazu im Ohr hatte, musste sich sofort auf den Weg machen: „Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel.“ (Numeri 24,17) Die Himmelserscheinung weist auf ein bedeutendes Geschehen.
Der Stern von Bethlehem hatte wohl keinen Schweif wie ein Komet. Und doch ist gerade ein Schweifstern in Fenstern und an Laternen zu d-e-m Symbol der Weihnacht geworden. Der gebogene Schweif lässt den Stern erscheinen, als ob er - wie eine Brücke - Himmel und Erde verbindet. Er weist auf das Geheimnis der heiligen Nacht, wenn Gott Mensch wird auf Erden.
Tom Oliver Brok
Herzliche Einladung !
Gottesdienste,
20.05.2012, 9 Uhr u. 11 Uhr
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20.05.2012, 10 Uhr
- St. Michael, Obenstrohe
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