Der Büppeler Findling

Dr. Friederike Bungenstock, Diplom-Geologie
Nahaufnahme des Granits. Deutlich zu unterscheiden sind der weiße Feldspat und die gräulich durchsichtigen Quarze.
Glaziale Serie

Die Mitte des Bibelgartens an der Arche wird von einem großen Findlingsstein geprägt. Während der Elster/Saale-Eiszeiten wurde er aus Skandinavien in unsere Gefilde transportiert. Auf einem Büppeler Acker wurde er entdeckt, nachdem er sich langsam aus der Erde emporgeschoben hatte. Die Diplomgeologin, Dr. Friederike Bungenstock, vom Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung hat den Stein analysiert. Sie schreibt:

 

Der etwa 1,20 x 1,20 x 0,80 m große Findling ist etwa 40 cm tief in das ihn umgebenden Bibelbeet eingelassen. Es ist ein heller, fast weißer Granit mit kleinkörnigen und fast gleichkörnigen Mineralbestandteilen. Gut zu erkennen sind die weißen Feldspäte und die leicht grauen, fast bläulichen Quarze. Ganz wenig schwarzer Biotit ist zu sehen. Der meiste ist schon verwittert und hat kleine Narben im Gestein hinterlassen.

 

Da die dunklen Gemengteile unter 20% ausmachen, kann der Büppeler Granit als Alkalifeldspat Granit bezeichnet werden. Um den Stein noch besser beschreiben zu können, müsste er angeschlagen, noch besser geschliffen werden, doch wirkt er in seiner natürlichen Rauheit am imposantesten.

 

Der Transport der Findlinge durch die Gletscher


Während der letzten Eiszeiten (Elster, 400.00 bis 320.000 Jahre vor heute; Saale, 300.000 bis 130.000 Jahre vor heute, und Weichsel, 115.000 bis 11.500 vor heute) haben sich auf dem skandinavischen Festland große Eisschilde gebildet. Die teilweise bis zu 3.000 m mächtigen Gletscher erstreckten sich über viele hunderte Kilometer bis nach Norddeutschland und transportierten enorme Mengen an Gesteinsmaterial. Neben feineren Materialien wie Sanden oder Schottern haben sie auch größere, z.T. tonnenschwere Blöcke völlig unsortiert in der Landschaft zurückgelassen, die heute als Findlinge (oder Erratica) die Landschaft prägen.


Gletscher hinterlassen nach ihrem Abschmelzen immer eine charakteristische Abfolge in der Landschaft, die so genannte „glaziale Serie“:

Sie beginnt mit der Grundmoräne, dem Material, das an der Basis des Gletschers sowie im und auf dem Gletscher transportiert wurde.
Auf die Grundmoräne folgt in der Landschaft die Endmoräne, die meist in Form von Wällen sichtbar ist, wie z. B. die Dammer Berge südlich von Oldenburg. Folgt eine erneute Vereisung, so können ältere Wälle durch einen weiteren Eisvorstoß „überfahren“ werden, so dass sie später oftmals nicht mehr in der Landschaft sichtbar sind.
Durch die Endmoränen hindurch bahnen sich die abschmelzenden Wassermassen ihren Weg, um über die Sanderflächen zu entwässern. Ehemalige Sanderflächen bestehen hauptsächlich aus Sand und Kies und zeichnen sich durch Unfruchtbarkeit der Böden aus. Die Lüneburger Heide gehört zu den bekanntesten Endmoränen- und Sanderflächen Nordwestdeutschlands.

Die abschmelzenden Wassermassen fügen sich schließlich zu Urstromtälern zusammen.

 

Diese Abfolgen kann man auch heute noch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sehen. Auch die skandinavischen Fjorde und Schären sowie die norddeutschen Förden und Bodden (-küsten) wurden durch die Eismassen geschaffen.
Die von den Gletschern verfrachteten Findlinge fanden in den verschiedenen Jahrhunderten Verwendung für den Bau von Kirchen (teilweise auch als Fundamente), für Mahlsteine, Grabdenkmäler oder auch für den Bau von Hügelgräbern.   

 

Alter der Gesteine


Die meisten Findlinge Norddeutschlands stammen aus Südskandinavien. Bei dem Großteil dieser Gesteine handelt es sich um Granite, Gesteine, die aus einer Schmelze innerhalb der Erdkruste erstarrt sind. Das Alter der skandinavischen Gesteine beträgt teilweise mehr als 1,5 Mrd. Jahre. Zum Vergleich: Die Erde existiert nach heutigen Erkenntnissen seit ca. 4,6 Mrd. Jahren.

Himmelsgut oder Teufelszeug?


In Europa ist schon früh erkannt worden, dass es sich bei Geschieben um ortsfremde, „wurzellose Findelkinder“ handelt (Bingelli 1963), die sich als Fremdkörper in der Landschaft abzeichnen. Daher stammen auch Bezeichnungen wie Findling, Irrblock, erratischer Block oder Erratica (Brogniart 1828). Hinweise in der Literatur auf derartige Gesteine finden sich seit dem frühen 18. Jahrhundert. Es blieb die Frage zu beantworten, wie diese Findlinge an ihren Fundort gelangt sein konnten. Die Erklärungen für den Transport waren dann auch so zahlreich wie spektakulär: Die Einen „ließen sie vom Himmel fallen“ (s. Seibold u. Seibold 2003), andere erklärten die Vorkommen durch mächtige Gaseruptionen aus dem Untergrund. Da nicht erklärliche Dinge auch gerne dem Teufel zugewiesen wurden, fanden sich vor allem in der Alpenregion ebenfalls Begriffe wie Teufelsbürde und Heidenstein für die Geschiebe der Alpengletscher (Bingelli 1963).


Die noch weitere 150 Jahre andauernde Diskussion um die Herkunft und den Transport der Findlinge sowohl im Alpenraum, als auch in Norddeutschland dokumentiert letztlich die unterschiedlichen Sichtweisen verschiedener Wissenschaftstheorien. Darüber hinaus spielte der Gedanke an die Sintflut noch bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts durchaus eine Rolle und lässt sich aus vielen der damals postulierten Thesen herauslesen. Schließlich erbrachte der Schwede Otto Torell 1875 den endgültigen Beweis für die heute anerkannte und vielfach belegte „Inlandeis-Theorie“. Er hatte auf den Muschelkalkfelsen von Rüdersdorf (östlich von Berlin) Gletscherschrammen gefunden, wie er sie aus den ehemaligen Gletschergebieten in Schweden kannte. Sie belegen, dass sich Eismassen über die Gebiete Norddeutschlands geschoben haben.

Weiterführende Literatur

  • BINGELLI, V., 1963: Der Hard-Findling in Langenthal. Jahrbuch des Oberaargaus 6, 144-151.
  • BRONGNIART, A., 1828: Notice sur les blocs de roches des terrains de transport en Suède. Annales des Sciences naturelles 14, 5-22.
  • BUNGENSTOCK, F., U. MEYER, K.-D., 2003: Zeugen der Eiszeit in den Wänden der Kirche von Marx. Faltblatt, hrsg. v. Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven.
  • BUNGENSTOCK, F., MEYER, K.-D., RATZ, B., U. KAMMERER, P., 2012: Die Kirche von Asel und ihre geologischen Besonderheiten.Faltblatt, hrsg. v. Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven.
  • BUNGENSTOCK, F., MEYER, K.-D., U. RIEPSHOFF, H., 2012: Wie die Mauern der Bockhorner Kirche die Geschichte der Eiszeitalter erzählen (2. Aufl.). Faltblatt, hrsg. v. Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven.
  • BUNGENSTOCK, F. & MEYER, K.-D., 2013: Findlingsquader-Kirchen der Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest und die Eiszeit-Theorien. Nachrichten des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee, 50: 49-55.
  • SEIBOLD, E., U. SEIBOLD, I., 2003: Erratische Blöcke – erratische Folgerungen: ein unbekannter Brief von Leopold von Buch von 1818. International Journal of Earth Sciences (Geologische Rundschau) 92, 426-439.
  • TORELL, O., 1875: Über das norddeutsche Diluvium. Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft 23, 961-962.


Nächste Gottesdienste

17.8., 9h, Einschulungs-
               gottesdienst

 

18.8., 18h, Abendkirche Taizé
                 mit Abendmahl

 

1.9., 10h, Familiengottesdienst
               zur Tauferinnerung 
               mit Kinderkantorei

 

15.9., 18h, Abendkirche Taizé

 

6.10., 10h, Gottesdienst zum
                 Erntedankfest mit
                 Arche-Chor, 
                 Kinderkirche

 

20.10., 18h, Abendkirche Taizé

 

 

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