Münstermann-Altar der Schlosskirche Varel

Wer unsere Kirche, die einst wohl zu den Rüstringer Hauptkirchen gehörte, zum ersten Mal betritt, wird von der Ausstattung überrascht sein. In den Jahren 1613 - 1618 erhielt sie durch Arbeiten des Hamburger Bildhauers Ludwig Münstermann ihren Schmuck. Er schuf den Altar, die Kanzel und den Taufstein, die bis heute nahezu vollständig erhalten sind.

Kunstkenner werden seine Arbeiten gleich sachkundig dem "Manierismus" zuordnen. Doch Münstermann wollte nicht nur kunstvoll Bleibendes schaffen, er wollte dem Betrachter auch christliche Botschaft anschaulich machen. Doch von vornherein erschließt sich die Botschaft nicht. Dazu bedarf es schon genauerer Betrachtung.

In der großen Mittelsenkrechten des Altars zeigen die Reliefs die Geschichte Jesu Christi. In der Predella ist die Geburt Jesu zu erkennen, in der oberen Tafel die Erhöhung oder Himmelfahrt Christi. Als Bekrönung des Altars steht, mit dem bloßen Auge kaum noch zu erkennen, der "salvator mundi": Christus, der Retter, hält die Weltkugel in der Hand.

Dem Betrachter werden vielleicht die Worte des 2. Artikels des Glaubensbekenntnisses in den Sinn kommen. Es heißt da von Jesus Christus: "Geboren von der Jungfrau Maria" .... bis .... "von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten."


Abendmahl
Abendmahl

Und doch ein Bild passt nicht in diese Reihe: Die Darstellung des Abendmahls Jesu  mit seinen Jüngern.

 

Ich denke, Münstermann hat dieses Bild dort bewusst mit eingereiht. Denn der Altar war und ist der Ort der gottesdienstlichen Abendmahlsfeier. Es ist eine seltsame Tischgemeinschaft zu sehen. Da sind die versammelt, die doch bald feige weglaufen werden und Jesus nicht mehr kennen wollen. Auch Judas, der Verräter sitzt da. Er ist ganz im Vordergrund auf einem Schemel zu erkennen, wohl schon ein bisschen abseits sitzend. In der linken Hand hält er den Geldbeutel. Jeder Zeit zum Verrat bereit. Jesus weiß das alles. Aber er stößt niemanden aus.

 

Beim Betrachten dieses Bildes dürfen wir uns wohl fragen: Sind wir denn besser als die Jünger damals? Oder verraten wir nicht auch oft genug Jesus und seine Botschaft, lassen ihn im Stich und verleugnen ihn? Dennoch, am Tisch des HERRN ist für alle Platz!

 

"Das tut zu meinem Gedächtnis." Für jeden lesbar, links für das Brot, rechts für den Kelch hat Münstermann wohl bewusst die Einsetzungsworte zum Abendmahl an den Altar geschrieben. Denn der freundliche Gott kommt uns nahe in Brot und Wein.

 

Bei der Feier des Heiligen Abendmahles vernehmen wir die Einladung: "Kommt, denn es ist alles bereit! Schmeckt und seht, wie freundlich der HERR ist.". Es heißt nicht: "Nun denkt angestrengt nach, wie freundlich Gott ist", sondern: "kommt", "schmeckt"! "Es ist alles bereit." Bereit für die, die schon lange nicht mehr da waren

 

• Für die, die meinen, das alles nicht zu brauchen.
• Für die, das alles nicht glauben können.
• Für die, die aus innerer Scheu nicht wagen zu kommen.
• Für die, die mit einem schuldbeladenen Herzen leben und für die, die meinen es erst richtig  verstehen zu müssen. Ja, auch für uns bereit mit unserem kümmerlichen Glauben, mit unseren Zweifeln und Einwänden.
• Für uns mit unseren Verletzungen und Befürchtungen, aber auch mit unseren guten Erlebnissen und Freuden.
• Für uns alle, wie wir gerade sind und was wir in unserem Inneren mitbringen. 

Singender Engel
Posaunenengel

Eine Fülle dekorativer Elemente schmückt den Altar: Blumenranken und Knospen, Vögel und Trauben, musizierende Engel mit Notenbüchern oder Instrumenten.

Wollte uns Münstermann erinnern, dass die Feier des Abendmahls auch eine fröhliche Feier ist? Oft wird ja beklagt, dass unsere Abendmahlsfeiern viel zu steif und ernst seien. Ich glaube, es verträgt sich ganz gewiss beides: der tiefe Ernst mit der großen Freude. So wie eben auf unserem Altar für jedermann sichtbar das Kreuz Jesu sich mit Brot und Wein verträgt. So wie sich Gottes Leben mit unserem Leben vertragen will und bei der Feier des Abendmahls auch tatsächlich verträgt.

So kann uns Münstermanns Kunstwerk beim Betrachten auch Einladung und Hilfe zum Glauben sein.

Ihr Eckhard Jetzki

(Pfarrer an der Schlosskirche bis Januar 2009)


Link-Tipp

Münstermann-Kunstwerke - Manierismus in Norddeutschland (Kulturportal)

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