Apoll und David

Eingang zum Bode-Museum Berlin, 2016.
Eingang zum Bode-Museum Berlin, 2016.

Lüpertz sieht Münstermann

Zeichnungen von Markus Lüpertz zum

Berliner „Apoll von Varel“

 

400 Jahre Kunstgeschichte überbrückend nimmt mit Markus Lüpertz, einer der bedeutendsten Künstler und Bildhauer der Gegenwart, die Skulptur des Musengottes Apoll neu und unerwartet, ja provokant in den Blick. Dreizehn Zeichnungen zeigt die Ev.-luth. Kirchengemeinde Varel nun am Ursprungsort des Apoll, den der Hamburger Bildhauer Ludwig Münstermann im frühen 17. Jahrhundert für die Vareler Schlosskirche St. Petri schuf.

 

Im Jahre 1615 entstand ein Orgelprospekt für die Kirche in Varel, der im Gesamtensemble von Altar, Kanzel, Taufe und Grafenstuhl sehr eindrücklich und figural reich gestaltet gewesen sein muss. Die ehemalige Orgel und der Münstermann-Prospekt gingen leider Mitte des 19. Jahrhunderts verloren. Neben zwei Wappen tragenden Löwen in Varel hat sich in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen Berlin (Bode-Museum) einzig die Figur des Musengottes Apoll erhalten. Dieser „Apoll von Varel“  entspricht mit seinem extrem überlängten Körper und seiner in sich gedrehten Haltung, den Gestaltungskriterien der figura serpentinata, die die manieristische Kunst Ludwig Münstermanns auszeichnet. Ursprünglich hielt  Apoll das Attribut des griechischen Gottes, die Leier. Er stand einst im musikalischen Wettstreit mit dem biblischen König David. Am Orgelprospekt verbildlichte Münstermann die Wirkung der Kirchenmusik im Gegenüber dieser beiden Protagonisten. Wenn David geistlich spielt und Apoll weltlich verzückt und entrückt zuhört. Münstermann setzte die Anliegen der Reformation ins Bild und unterstreicht so die Bedeutung der Kirchenmusik.

 

Der Maler und Bildhauer Markus Lüpertz näherte sich 2014 dem Apoll und schuf neue Ansichten einer alten Skulptur. Der Berliner Lüpertz setzte 400 Jahre später die Kunst des „Oldenburgers“ Münstermanns nach seinen Empfindungen ins Bild. Die Zeichnungen waren bis Anfang 2016 unter dem provokanten Titel „Nichts Neues. Die Abstraktion hat noch nicht begonnen“ im Bode Museum ausgestellt. Seine Werke traten in direkten Dialog mit der Originalfigur.

 

Lüpertz gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern. Er gilt als Bewunderer der Kunst vergangener Jahrhunderte, besonders der antiken Themen und mythologischen Figuren und zeigt sich religiösen Themen aufgeschlossen. Dass er in den Dialog mit Münstermann tritt, ist eine glückliche Fügung – verbunden mit der herausfordernden und begeisternden Extravaganz der Figur des Vareler Apolls und dem Ort ihres Zusammentreffens in Berlin.

 

Mit Lüpertz‘ Zeichnungen kommt der Apoll in zeitgenössischem Gewand nach Varel zurück. „Nichts Neues“, und doch ist alles anders. Seine Werke treten am Oldenburgischen Ursprungsort von Apoll und David in direkten Dialog mit den weiteren Kunstwerken Münstermanns. Besucherinnen und Besucher können im Chorraum der Schlosskirche über den Blickwinkel Lüpertz‘ wiederum Münstermann neu in den Blick nehmen, der damals die Anliegen der Reformation ins Bild setzte.

 

Markus Lüpertz wurde 1941 in Liberec, Böhmen, heutige Tschechische Republik geboren. Er studierte an der Werkkunstschule Krefeld sowie an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er von 1988 bis 2009 Rektor war. Bedeutende Retrospektiven seines künstlerischen Werks wurden in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn (2009); Gemeentemuseum, Den Haag (2011); Museo de Bellas Artes, Bilbao (2014), in der Eremitage, St. Petersburg (2014), im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, Paris (2015) und im China Art Museum, Shanghai (2016) gezeigt. Ab Mai 2017 zeigen die Phillips Collection und das Hirshhorn Museum, beide in Washington, D.C., eine umfangreiche Ausstellung mit Werken von den 1960er Jahren bis heute. Seine Zeichnungen zum Apoll waren im Winter 2016 in der Skulpturensammlung des Bode-Museums in Berlin unter dem Titel „Nichts Neues. Die Abstraktion hat noch nicht begonnen“ ausgestellt. Die Kunsthalle Rostock und die Bremer Galerie Ohse zeigte ebenfalls eine Auswahl seiner Werke zum Gott der Musen.

 

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