Baltengräber

Bei dieser Grabanlage handelt es sich um eine Doppelreihe von 63 Grabsteinen von Personen, die in der Zeit von 1950 bis 1959 im Vareler Altenheim für heimatlose Ausländer gelebt haben. Heute erinnert eine Erinnerungsstele an diese außergewöhnliche Einrichtung.

Grabsteine der „Heimatlosen Ausländer“

1950 – 1997

 

Von Februar 1950 bis Ende 1959 war in Varel in den ehemaligen Marine-Kasernen am Steinbrückenweg 47 ein Altenheim für ausländische DPs (Displaced Persons) eingerichtet. Die Bewohner*innen erhielten ab 1951 durch ein Bundesgesetz den Status „Heimatlose Ausländer“.

Im Heim lebten zeitweise bis zu knapp 1000 Männer und Frauen. 1957 wurde die Einrichtung in der Presse als „größtes internationales Altenheim in Europa“ bezeichnet.

Die Bewohner*innen stammten aus Ost- und Südosteuropa, davon viele aus Lettland, Estland und Litauen. Weitere Herkunftsstaaten waren Polen, von der ehemaligen Sowjetunion die Ukraine und Russland, das ehemalige Jugoslawien und Rumänien.

Es handelte sich um:

  • Ehemalige ausländische Zwangsarbeiter*innen aus dem Zweiten Weltkrieg,
  • Flüchtlinge, die 1944/45 aus den baltischen Staaten aus Furcht vor der Roten Armee oder im Einzelfall als Kollaborateure der deutschen Besatzer ins Reichsgebiet geflohen waren,
  • Sonstige Ausländer*innen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren wollten oder konnten.

Nach der Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes fanden 1956 einige ungarische Flüchtlinge, darunter Kinder, eine Unterkunft im Altersheim.

Ende 1959 übernahm die Bundeswehr das Gelände und das Altersheim wurde aufgelöst. Die Bewohner*innen wurden auf andere Einrichtungen im Bundesgebiet verteilt. Einige in Varel verbliebene Personen zogen in das neu erbaute „Simeon und Hanna in der Oldenburger Straße 61.

Die Grabstellen von DPs, die bis zum 30. Juni 1950 verstarben, sind durch das“ Gesetz über die Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ (Gräbergesetz) geschützt. Sie sind von der Stadt Varel dauerhaft zu erhalten, finanziert durch Mittel des Bundes. Diese Gräber befinden sich in einer gesonderten Reihengrabanlage.

Die Gräber der DPs bzw. „Heimatlosen Ausländer“ mit Sterbedatum ab 1. Juli 1950 gelten als Privatgräber. Die letzte Bestattung aus dem Kreis der „heimatlosen Ausländer“ im „Simeon und Hanna“ fand 1997 statt. (Rita Silins, Lettland).

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Varel als Trägerin des Friedhofs hat nach Ablauf der Ruhefristen einige dieser Ruhestätten bzw. Grabsteine freiwillig erhalten. 2022 sind die Grabsteine durch die Mitarbeiter des Friedhofs und den Steinmetzbetrieb Steinbach (Varel) geborgen und in zwei Reihen zu einer dauerhaften Erinnerungsstätte zusammengefasst worden.

Der Erinnerungsort besteht aus 63 Grabsteinen mit Lebensdaten zu 77 Personen. Davon stammen aus Lettland: 60, Litauen: 2, Estland: 4, Polen: 10, Jugoslawien: 1.

 

Jede dieser Personen steht für ein individuelles Schicksal. Um dies deutlich zu machen, wählten wir vier Einzelbiografien aus, die im Folgenden vorgestellt werden: 

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