Christiaan Kruize – Niederländischer SS-Grenadier
Christiaan Kruize (in den Dokumenten Schreibweise des Vornamens auch: Christian) wurde am 10. Mai 1923 im niederländischen Veendam geboren.
Veendam, eine ehemalige Moorkolonie, ist eine Gemeinde in der niederländischen Provinz Groningen und liegt etwa 20 km südöstlich der Provinzhauptstadt Groningen.
Er stammte aus einer einfachen und kinderreichen Arbeiterfamilie:
Sein gleichnamiger Vater Christiaan Kruize wurde am 10. Dezember 1873 in Veendam geboren und
bereits als 14jähriger wegen Einbruchsdiebstahl zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.
Er hatte am 21. Mai 1904 in seiner Heimatstadt Veendam die Ehe geschlossen mit Geesjen, geborene Flor, geboren am 31. Januar 1882 in Muntendam (Provinz Groningen).
Das Paar lebte in Veendam.
Christiaan Kruize (junior) war das jüngste von insgesamt zwölf Kindern aus der Verbindung seiner Eltern.
Der Vater von Christiaan Kruize verstarb früh im Alter von nur 50 Jahren am 12. Oktober 1924 in Veendam. Christiaan junior war zu diesem Zeitpunkt erst 17 Monate alt.
Über die Schulzeit und evtl. Ausbildung von Christian Kruize sind keine Hinweise bekannt.
Am 10. Mai 1940, also genau am 17. Geburtstag von Christiaan Kruize, überfiel das Deutsche Reich im Zweiten Weltkrieg die neutralen Niederlande, die fortan in der Zeit vom 15. Mai 1940 bis zum 5. Mai 1945 unter deutscher Besatzung standen.
Am 16. September 1940 wurde die Nederlandsche SS (niederländische SS) gegründet. Die unbewaffnete Formation war formell Teil der nationalsozialistischen Partei der Niederlande, Nationaal-Socialistische Beweging (N.S.B.). Es handelte sich bei der niederländischen SS also zunächst um eine politische, nicht um eine militärische Organisation.
Am 1. Mai 1941 wurde in Avegoor (bei Ellecom, nordöstlich von Arnheim) eine Schule für niederländische SS-Freiwillige eröffnet. Diese Schule, die einzige ihrer Art in den Niederlanden, war eine Einrichtung der Waffen-SS und unterstand dem SS-Hauptamt in Berlin. Sie diente der militärischen und ideologischen Schulung vor allem von Angehörigen der niederländischen SS. Während der ein- bis sechswöchigen Kurse in Avegoor trugen die niederländischen SS-Freiwilligen Uniformen der Waffen-SS.
Sie erlernten unter anderem den Umgang mit Waffen, absolvierten (Wehr-)Sportübungen und erhielten weltanschaulichen Unterricht sowie Lehrgänge in deutscher Sprache. Etwa zwei Drittel der Mitglieder der niederländischen SS traten im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs der Waffen-SS bei und wurden als Soldaten an der deutschen Ostfront eingesetzt.
Wann Christiaan Kruize sich zur niederländischen SS meldete, ob er im Ausbldungslager Avegor war, ist nicht bekannt.
Belegt ist wieder, dass Christiaan Kruize Anfang 1944 als Schütze im niederländischen SS-Wachbataillion Nr. 3 (vorher: SS-Wachbataillion „Nordwest“) mit Dienststelle Kamp Amersfoort diente. Aus einer im niederländischen NIOD1 überlieferten Liste des vom SS- und Polizeigericht X verurteilten Militärpersonals geht hervor, dass er vom 7. bis 28. Januar 1944 wegen „Mil. Ungehorsam“ inhaftiert war und dem Kriegswehrmachtsgefängnis Utrecht überstellt wurde. Als „Gerichtsherr“ ist das SS- und Polizeigericht Den Haag angegeben.
Das Huis van Bewaring Utrecht, während der deutschen Besatzung Kriegswehrmachtsgefängnis genannt, war ein Gefängnis an der Gansstraat in Utrecht. Während der deutschen Besatzung wurde das Huis van Bewaring als Kriegswehrmachtsgefängnis genutzt. Es war das einzige Gefängnis im besetzten Niederlande, das als Kriegsgericht der Wehrmacht diente. Daher wurden dort sowohl deutsche Soldaten, ausländische Freiwillige in deutschen Diensten bei Wehrmacht bzw. SS als auch Widerstandskämpfer vor Gericht gestellt.
Weitere Dokumente bezüglich des Verlaufes und Ausgangs des Strafverfahrens wie auch eine evtl. Haftzeit gegen Christiaan Kruize im Wehrmachtsgefängnis Utrecht sind bisher nicht bekannt.
Die Spur zu Christiaan Kruize verliert sich zunächst bis kurz nach Kriegsende im Mai 1945.
Christiaan Kruize verstarb am 4. August 1945 in Varel. Die Sterbeurkunde wurde vom Standesamt der Stadt Varel unter der Nr. 219/1945 ausgefertigt. Unter Todesursache sind in seinem Totenschein folgende Informationen enthalten: Grundleiden: Kniegelenks-Tbc links.
Begleitkrankheiten: Schenkelhalsbruch links bei oberem Schenkelstumpf.
Nachfolgende Krankheiten: Kniegelenksempyem und Sepsis (Mischinfektion), Hüftgelenkempyem.
Todesursache: Hüftgelenkempyem und Sepsis.
Christiaan Kruize wurde am 9. August 1945 auf dem evangelisch-lutherischen Friedhof in Varel, Oldenburger Straße, zunächst in der Grablage Feld F, Nr. 515, bestattet.
Nach Einweihung des "Ehrenfriedhofs" in Varel 1949 erfolgte die Umbettung in die dortige Reihe 10, Nr. 7, wo sich noch heute der Grabstein befindet.
Wegen des SS-Hintergrundes wurde Christiaan Kruize in den 1950er Jahren nicht von den Niederländern exhumiert und auf einen der in Deutschland liegenden niederländischen Ehrenfriedhöfe (z.B. Bremen) oder in die Heimat umgebettet.
Das Grab steht seit den 1950er Jahren unter dem Schutz des deutschen Gräbergesetzes („Gesetz zum Schutz der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“), ist in der amtlichen Gräberliste der Stadt Varel aufgeführt und muss durch die Stadt Varel dauerhaft gepflegt und erhalten werden.
